Lebenszyklus

Sie fliegen nur einen Sommer, aber ein Sommer genügt einer einzelnen Königin, um ihren Staat zu gründen. Noch im Herbst werden die geschlechtsreifen Weibchen von den Wespendrohnen begattet und mit einem Vorrat an Sperma versorgt, der für ihr ganzes, kurzes Leben reicht.

Koenigin der saechsischen Wespe im Winterschlaf

Koenigin der mittleren Wespe im Winterschlaf

Den Winter verbringt die befruchtete Königin an einem geschützten Schlupfwinkel in einer Kräftesparenden Starre. Durch reiche Fettreserven und niedrigem Stoffwechsel ist die Königin in der Lage, in z.B. Holzschuppen, Baumhöhlen,  Mauerlöchern, Rindenspalten, Holzstapeln oder unter Steinen, Moos und Reisighaufen, sechs Monate schlafend die kalte Jahreszeit zu überstehen, um in ihren "Genreserven" das Wespengeschlecht ins nächste Jahr mitzunehmen. 

Durch eine Art Glykol als Frostschutz im Körper, übersteht ihr Organismus unbeschadet selbst tiefe Temperaturen. Dennoch werden viele ihrer Geschwister den Winter nicht überleben. Feuchtigkeit und Schimmelpilze, Mäuse, Vögel und nicht zuletzt der Mensch, werden bis zum Frühjahr einen Teil der in der Winterstarre befindlichen Königinnen entdeckt und dezimiert haben.

Nektartrinkende Koenigin der deutschen Wespe

Erst im April / Mai verlässt die Königin, geweckt durch warme Frühlingstage, ihren schützenden Unterschlupf. Zunächst werden zur Stärkung kohlehydrathaltige Pflanzensäfte in Form von Blütennektar oder Säfte blutender Bäume aufgenommen.

Nistplatz Rollladenkasten Nach einigen Tagen beginnt die Königin einen geeigneten, wind- und wettergeschützten Standort zu suchen, der sich für den künftigen Wespenstaat eignet. Für die einen ist das ein verlassener Mäusebau, die anderen bevorzugen einen dämmrigen Dachboden, und wieder andere halten einen Zweig in dichtem Gebüsch für ideal. Wo immer auch das Nest entstehen soll, auf die Staatengründerin wartet eine wahre Herkulesarbeit, die auch viele Gefahren mit sich bringt
Baumaterial sammelnde Wespenkönigin

Die Königin fliegt zu verwitterten Holzbrettern oder morschen Holzstämmen und raspelt mit ihren kräftigen Kieferzangen, den Mandibeln, winzige Holzfasern herunter. Diese werden mit Speichel zu einer Art Pappmaschee vermengt. Dieses Material verbaut sie nun am gewählten Neststandort zu dem, was später einmal ein Wespennest werden soll.

 

Anfangsnest von unten

Aller Anfang ist ein etwa nageldicker Zapfen, der Aufhänger des künftigen Nestes. An den Zapfen geklebt entsteht langsam ein Teller aus Brutzellen, den Waben, an deren Wand die Königin je ein Ei klebt. Noch vor Vollendung der ersten Wabe ist die Königin schon mit der Errichtung der schützenden Außenhülle beschäftigt, die sich wie eine Glocke über die Anfangswabe spannt und vor Temperaturextremen schützt. Soll das Nest erweitert werden, wird eine Innenlage der Hülle abgebaut und eine neue Außenschicht aufgesetzt, so dass der Wärmeschutz nicht unterbrochen wird. Das freigewordene Baumaterial der Innenschicht wird zum Wabenbau verwendet.
Wabe wärmende Königin

Hornisse "wassertankend"

Das Frühjahr mit seinen extrem wechselnden Wärme- und Kälteperioden verlangt der Königin ein weiteres Maß an Arbeit ab. Um eine gleich bleibende Temperatur im Nest zu erhalten, sorgt sie für einen Wärme- bzw. Kälteausgleich. Als kleine "Klimaanlage" wird an heißen Tagen Wasser ins Nest transportiert, auf der Wabe verteilt und durch Flügelschlagen Luft zugeführt. Die Verdunstung des Wassers kühlt das Nest.

Droht Unterkühlung bewegt die Königin mit ausgekugelten Flügeln, also im Leerlauf, ihre Flugmuskulatur und erzeugt die nötige Wärme. Dabei legt sie sich flach auf die Wabe, ihren Körper dicht um den Wabenstiel geschlungen.

Mai / Juni - Die ersten Larven schlüpfen und wollen gefüttert sein, und zwar mit Kraftnahrung aus eiweißreichem Insektenfleisch. Immer wieder unterbricht die Königin ihre Bauarbeit, wenn die hungrigen Larven mit ihren Kiefern fordernd an ihren Zellwänden kratzen und um Futter betteln.

 

(c) copyright by www.hymenoptera.de

 

(c) copyright by www.hymenoptera .de

Juni - Nach etwa zwei Wochen guter Fütterung sind die ersten Larven ausgereift und spinnen sich einen dichten Kokon, in dessen Schutz sie rund zwei Wochen als unbewegliche Puppe verharren. Im inneren des mumienhaften Puppengebildes spielt sich umwälzendes ab: die vollkommene Verwandlung von der Larve zum fertigen Insekt - zu einem Insektenweibchen, deutlich kleiner als die Königin und dessen verkümmerte Eierstöcke es zur Arbeiterin vorbestimmen.

 

Schluepfende Hornissenarbeiterin

 

Gerade geschluepfte Hornissenerbeiterin

Sind die ersten Arbeiterinnen geschlüpft, kann sich die Königin ganz aufs Eierlegen konzentrieren. Nun liegt es an den Arbeiterinnen, das Nest zu erweitern, die Hülle zu vervollständigen, für das Nestklima zu sorgen und auf Insektenjagd zu gehen.

Hornisse zerteilt erbeutete Wespe

Hornisse zerteilt erbeutete Wespe

Juni - August  Bei einer Zählung in einem 6stündigen Zeitraum brachten z.B. 300 Wespenarbeiterinnen der gemeinen Wespe 3150 Insekten ins Nest. Darunter galten als Hauptbeute 2500 Fliegen. Zu den weiteren 650 Beutetieren gehörten u.a. Stechmücken, Larven von Heuschrecken, Raupen und Spinnen auf den Speiseplan der Wespen. Die Hornisse macht wiederum u.a. Jagd auf Wespen. Durch Bisse mit den kräftigen Kiefern oder bei besonders wehrhaften Beutetieren durch Stiche getötet, werden die Beutetiere von Kopf, Flügeln, Hinterleib und Beinen befreit. Anschließend wird das Futterpaket ins Nest transportiert.
Bluetennektar-trinkende Hornissenkoenigin

Baumsaft-trinkende Hornissen

Fleisch ist wichtig - aber nur für die Larven. Die erwachsenen Tiere bevorzugen Süßes. Sie lecken Nektar an Blüten, Saft von blutenden Bäumen und schätzen den süßen Honigtau der Blattläuse.
(c) copyright by www.hymenoptera.de

Bei der Futteraufnahme gibt die Larve ihrerseits ein klares Speicheltröpfchen ab, das wegen des hohen Zuckergehaltes bei den Arbeiterinnen sehr beliebt ist und für frisch geschlüpfte Larven die erste Nahrung darstellt. In Schlechtwetterperioden stellen die Larven auf kurze Zeit sogar lebende Futterspeicher dar. Auf mechanische Reizung hin können alle Volksangehörigen diese lebenswichtige, trinkfertige Nahrung erhalten.

Dieser äußerst wirksame, und Energie spendende Cocktail aus Speichelsaft besteht aus einer Aminosäureverbindung. Eine Portion z.B. reicht einer Hornissenarbeiterin, um bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h, eine Gesamtstrecke von über 80 Kilometer weit zu fliegen.

Futterverteilung an Nestgenossen (Trophollaxis) Kehrt eine Arbeiterin mit gefülltem Kropf ins Nest zurück, wird sie von Nestarbeiterinnen durch Fühlertrillern angebettelt, worauf sie einen süßen Tropfen des Kropfinhaltes an die Bettlerin weitergibt. Aber auch die muss das Erbettelte an hungrige Nestgenossinnen weitergeben, bis schließlich ein Kropfinhalt gleichmäßig an die Insassen des Wespennestes Verteilt ist. Dieser Vorgang wird "Trophollaxis" genannt.
Belüftung

Wie gut die empfindlichen Larven gedeihen, hängt nicht zuletzt von der Temperatur im Nest ab. Die mehrschichtige Papierhülle dämpft, wie eine Dachisolierung am Haus, die Schwankungen der Außentemperatur. Die Feinarbeit der Wärmeregulierung allerdings erledigen die Arbeiterinnen, als eine lebende "Klimaanlage". Wie im Frühjahr bei der Wespen- oder Hornissenkönigin, dient Wasserverdunstung zum Kühlen und schwirren mit ausgeklinkten Flügeln zum Wärmen, der Temperaturerhaltung im Nest. Ein gut isoliertes Nest hält eine mittlere Temperatur von 30 Grad und weicht um nicht mehr als 2,5 Grad von diesem Wert ab.

Nestbau

Juli / Immer wieder wird Baumaterial herbeigeschafft um das

ständig wachsende Nest mit der schützenden Hülle zu versehen. Im Innenbereich wiederum wird fortlaufend die Hülle abgetragen um neue Waben zu schaffen.

Zu diesem Zeitpunkt werden von einer Königin der deutschen- oder gemeinen Wespe bis zu 300 Eier am Tag gelegt.

Hornissenmaennchen (Drohne)

Hornissendrohne

Erst im Spätsommer, etwa ab August werden größere Zellen für die Geschlechtstiere gebaut. Aus ihnen schlüpfen fruchtbare Weibchen und - aus unbefruchteten Eiern - die Männchen. Nach dem Schlüpfen verbleiben die Geschlechtstiere noch einige Zeit im Nest, beteiligen sich jedoch nicht am Gemeinschaftsleben, sondern lassen sich von ihren Schwestern füttern.

Nach dem Absterben der Altkönigin, ab etwa Mitte August bis Anfang September, beginnen sich allmählich die Staaten der deutschen- und gemeinen Wespen sowie die der Hornissen aufzulösen.

Sächsische Wespe

Bei den freihängenden Nestern oder den als Freinister bezeichneten Langkopfwespen jedoch, wie die der sächsischen-, mittleren-, oder Waldwespe, sind die Staaten und somit die Nester bereits ab Anfang September völlig abgestorben und stehen leer.

Abflug der Geschlechtstiere -Mittlere Wespe 1-

 

Abflug der Geschlechtstiere -Mittlere Wespe 2-

September - Oktober  Mit dem Ausschwärmen der Geschlechtstiere und der Verknappung des Nahrungsangebotes zerfällt die soziale Organisation im Staat.

Hornissenpaarung

Die Paarung geschieht teils im Nest, teils im Freien an bestimmten Paarungsplätzen, die von den Männchen aufgesucht werden.

Larvenfressende Hornisse

Die Larven werden nicht mehr gefüttert, aus den Zellen gezerrt und zum Teil gefressen. Selbst verdeckelte Zellen werden geöffnet und die Puppen aus dem Nest geworfen.

Verlassenes Nest der gemeinen Wespe auf einem Dachboden Bei den Dunkelhöhlenbrütern, mit der als Kurzkopfwespe bezeichneten gemeinen Wespe geht es im Oktober und mit der deutschen Wespe, etwas später, bis Anfang November zu Ende. Bei der Hornisse stehen die Nester ab Mitte Oktober bis Anfang November leer. 
Winterschlafende Koenigin der mittleren Wespe

Nur die im Herbst befruchteten Weibchen überwintern. Es sind die Königinnen, die für den Fortbestand im nächsten Sommer sorgen. Das Heer der Arbeiterinnen aber stirbt mit sinkenden Nachttemperaturen langsam ab. Damit endet der Zyklus und es schließt sich der Lebenskreislauf des Wespen- und Hornissenstaates.


© Copyright 2003 I  www.aktion-wespenschutz.de, www.wespenschutz.com und www.wespenschutz.eu | Impressum | Kontakt

 

 

 

 

 

 

 

 
User die im Moment diese Webseite besuchen   aktuelle Besucher dieser Webseite Besucher seit 02. Juni 2003