Der Lebenszyklus

Sie fliegen nur einen Sommer, aber ein Sommer genügt einer einzelnen Königin, um ihren Staat zu gründen.

Noch im Herbst werden die geschlechtsreifen Weibchen von den Wespendrohnen begattet

und mit einem Vorrat an Sperma versorgt, der für ihr ganzes, kurzes Leben reicht.

Deutsche Wespe in Winterruhe, festgebissen an einer Holzlatte - Aufnahme: Heinrich Hachmann (c) 2009
 

Mittlere Wespe in Winterruhe unter einer Baumrinde - Aufnahme: Michael Korn (c) 2004

Den Winter (Oktober bis April) verbringt die befruchtete Königin an einem geschützten Schlupfwinkel, in einer kräftesparenden Kältestarre.

 

 

Mit reichlichen Fettreserven ausgestattet und einem niedrigem Stoffwechsel ist die Königin in der Lage, in z. B.. Holzschuppen, Baumhöhlen,  Mauerlöchern, Rindenspalten, Holzstapeln oder unter Steinen, Moos und Reisighaufen, sechs Monate schlafend, die kalte Jahreszeit zu überstehen, um in ihren "Genreserven" das Wespengeschlecht ins nächste Jahr mitzunehmen. 

 

 

Durch eine Art Glykol als Frostschutz im Körper, übersteht ihr Organismus unbeschadet selbst tiefe Temperaturen.

 

Dennoch werden viele ihrer Geschwister den Winter nicht überleben (Sterberate in Zahlen).

Feuchtigkeit und Schimmelpilze, Mäuse, Vögel und nicht zuletzt der Mensch, werden bis zum Frühjahr einen großen Teil, der in der Winterstarre befindlichen Königinnen entdeckt und dezimiert haben.


Rote Wespe verlaesst ihr Winterquartier - Aufnahme Wolfgang Hoffmann (c) 2008

 

Hornissenkönigin trinkt Nektar an einer Faechermispel - Aufnahme Peter Tauchert (c) 2009

März / April, geweckt durch warme Frühlingstage, verlässt die Königin ihren schützenden Unterschlupf.

 

 

 

Zunächst werden zur Stärkung kohlehydrathaltige Pflanzensäfte in Form von Blütennektar oder Säfte blutender Bäume oder Sträucher  aufgenommen.

Koenigin der mittleren Wespe gruendet an der Verschraubung unter einem Glasvordach - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2005 Nach einigen Tagen beginnt die Königin einen geeigneten, wind- und wettergeschützten Standort zu suchen, der sich für den künftigen Wespenstaat eignet. Für die einen ist das ein verlassener Mäusebau, die anderen bevorzugen einen dämmrigen Dachboden, und wieder andere halten einen Zweig in dichtem Gebüsch für ideal. Wo immer auch das Nest entstehen soll, auf die Staatengründerin wartet eine wahre Herkulesarbeit, die auch viele Gefahren mit sich bringt
Wespenkoenigin sammelt Baumaterial an einem Holzpfosten - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2002

 

Hornissenkoenigin sammelt Baumaterial - Aufnahme: Hans Bugert (c) 2011

Die Königin fliegt zu verwitterten Holzbrettern oder morschen Holzstämmen und raspelt mit ihren kräftigen Kieferzangen, den Mandibeln, winzige Holzfasern herunter. Diese werden mit Speichel zu einer Art Pappmaschee vermengt. Dieses Material verbaut sie nun am gewählten Neststandort zu dem, was später einmal ein Wespennest werden soll.

 Kornissenkoenigin bei der Nestgruendung - Aufnahme: Hans Bugert (c) 2009

 

Hornissenkoenigin bei Erweiterung der Außenhuelle - Aufnahme Peter Tauchert (c) 2005

Aller Anfang ist ein etwa nageldicker Zapfen, der Aufhänger des künftigen Nestes.

 

An den Zapfen geklebt entsteht langsam ein Teller aus Brutzellen, den Waben, an deren Wand die Königin je ein Ei klebt.
 

 

Noch vor Vollendung der ersten Wabe ist die Königin schon mit der Errichtung der schützenden Außenhülle beschäftigt, die sich wie eine Glocke über die Anfangswabe spannt und vor Temperaturextremen schützt.

 

 

Soll das Nest erweitert werden, wird eine Innenlage der Hülle abgebaut und eine neue Außenschicht aufgesetzt, so dass der Wärmeschutz nicht unterbrochen wird. Das freigewordene Baumaterial der Innenschicht wird zum Wabenbau verwendet.

Deutsche Wespen beim Aufnehmen von Wasser - Aufnahme Ralf Schreck (c) 2011

 

Hornissenkoenigin beim Bebrueten der Eier - Aufnahme Peter Tauchert (c) 2005

Das Frühjahr mit seinen extrem wechselnden Wärme- und Kälteperioden verlangt der Königin ein weiteres Maß an Arbeit ab.

Um eine gleich bleibende Temperatur im Nest zu erhalten, sorgt die Königin für einen Wärme- bzw. Kälteausgleich.

 

 

Als kleine "Klimaanlage" wird an heißen Tagen Wasser ins Nest transportiert, auf der Wabe verteilt und durch Flügelschlagen Luft zugeführt. Die Verdunstung des Wassers kühlt das Nest.

 

 

Droht Unterkühlung bewegt die Königin mit ausgekugelten Flügeln, also im Leerlauf, ihre Flugmuskulatur und erzeugt die nötige Wärme.

Dabei legt sie sich flach auf die Wabe, ihren Körper dicht um den Wabenstiel geschlungen.


Hornissenkoenigin versorgt eine Larve - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2005 Mai / Juni

Die ersten Larven schlüpfen und wollen gefüttert sein, und zwar mit Kraftnahrung aus eiweißreichem Insektenfleisch.

Immer wieder unterbricht die Königin ihre Bauarbeit, wenn die hungrigen Larven mit ihren Kiefern fordernd an ihren Zellwänden kratzen und um Futter betteln.

Larven und Puppen in den Wabenzellen - Aufnahme: www.hymenoptera.de (c) 2001

 

Blick auf einen Wabenteller mit verschiedenen Larven- und Puppenstadien - Aufnahme: www.hymenoptera.de (c) 2001 

Juni
 


Nach etwa zwei Wochen guter Fütterung sind die ersten Larven ausgereift und spinnen sich einen dichten Kokon, in dessen Schutz sie rund zwei Wochen als unbewegliche Puppe verharren.

 

 

Im Inneren des mumienhaften Puppengebildes spielt sich umwälzendes ab:
Die vollkommene Verwandlung von der Larve zum fertigen Insekt - zu einem Insektenweibchen, deutlich kleiner als die Königin und dessen verkümmerte Eierstöcke es zur Arbeiterin vorbestimmen.

Durchbebissen - eine Arbeiterin schluepft - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2004

 

Geschlüepft - Eine neue Arbeiterin im Hornissennest - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2004

Sind die ersten Arbeiterinnen geschlüpft, kann sich die Königin ganz aufs Eierlegen konzentrieren.

 

 

 

Nun liegt es an den Arbeiterinnen, das Nest zu erweitern, die Hülle zu vervollständigen, für das Nestklima zu sorgen und auf Insektenjagd zu gehen.


Hornisse im Anflug auf die Beute - hier eine Fliege - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2006

 

Hornisse erbeutet eine Wespe. Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2004

Juni - August  


Bei einer Zählung in einem 6stündigen Zeitraum brachten z. B. 300 Wespenarbeiterinnen der gemeinen Wespe 3150 Insekten ins Nest.
Darunter galten als Hauptbeute 2500 Fliegen. Zu den weiteren 650 Beutetieren gehörten u. a. Stechmücken, Larven von Heuschrecken, Raupen und Spinnen auf den Speiseplan der Wespen.
 

Die Hornisse macht wiederum u. a. Jagd auf Wespen. Durch Bisse mit den kräftigen Kiefern oder bei besonders wehrhaften Beutetieren durch Stiche getötet, werden die Beutetiere von Kopf, Flügeln, Hinterleib und Beinen befreit. Anschließend wird das Futterpaket ins Nest transportiert.
 

Eiweißreiche Kost (Fleisch) ist wichtig - aber nur für die Larven.
Für die Versorgung der Larven im Wespenstaat werden täglich Unmengen an Insekten gejagt und erbeutet.

Maennchen der Waldwespe leckt Nektar aus eine Blüte - Aufnahme Ralf Schreck (c) 2010

 

Hornisse leckt austretenden Saft an einem Fliederzweig Aunahme: Peter tauchert (c) 2011

Die erwachsenen Tiere benötigen süße, kohlehydrathaltige Nahrung.


Sie lecken Nektar an Blüten, Saft von blutenden Bäumen und schätzen den süßen Honigtau der Blattläuse.

Hornissenarbeiterin beim Aufnehmen des Speichgeltroepfchens der Larve - Aufnahme: www.hymenoptera.de (c) 2001

Bei der Futteraufnahme gibt die Larve ihrerseits ein klares Speicheltröpfchen ab, das wegen des hohen Zuckergehaltes bei den Arbeiterinnen sehr beliebt ist und für frisch geschlüpfte Larven die erste Nahrung darstellt. In Schlechtwetterperioden stellen die Larven für kurze Zeit sogar lebende Futterspeicher dar. Auf mechanische Reizung hin können alle Volksangehörigen diese lebenswichtige, trinkfertige Nahrung erhalten.

 

 

Dieser äußerst wirksame, und Energie spendende Cocktail aus Speichelsaft besteht aus einer Aminosäureverbindung.

Eine Portion z.B. reicht einer Hornissenarbeiterinaus, um bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h, eine Gesamtstrecke von über 80 Kilometer weit zu fliegen.

Trophollaxis - Futterabgabe - Aufnahme: Hans Bugert (c) 2011 Kehrt eine Arbeiterin mit gefülltem Kropf ins Nest zurück, wird sie von Nestarbeiterinnen durch Fühlertrillern angebettelt, worauf sie einen süßen Tropfen des Kropfinhaltes an die Bettlerin weitergibt.

Aber auch die muss das Erbettelte an hungrige Nestgenossinnen weitergeben, bis schließlich ein Kropfinhalt gleichmäßig an die Insassen des Wespennestes Verteilt ist. Dieser Vorgang wird "Trophollaxis" genannt.

Am Nesteingang der Hornisse faechert eine Arbeiterin Luft in das Nest - Aufnahme: Ralf Schreck (c) 2011

Wie gut die empfindlichen Larven gedeihen, hängt nicht zuletzt von der Temperatur im Nest ab.

Ein gut isoliertes Nest hält eine mittlere Temperatur von 30 Grad und weicht um nicht mehr als 2,5 Grad von diesem Wert ab.

 

Die mehrschichtige Papierhülle dämmt wie eine Dachisolierung am Haus, die Schwankungen der Außentemperatur.

Die Feinarbeit der Wärmeregulierung allerdings erledigen die Arbeiterinnen als eine lebende "Klimaanlage". Wie bereits im Frühjahr bei der Wespen- oder Hornissenkönigin beschrieben, dient Wasserverdunstung zum Kühlen und schwirren mit ausgeklinkten Flügeln zum Wärmen, der Temperaturerhaltung im Nest.


Die Nesthuelle der mittleren Wespen wird erweitert - Aufnahme Ingo Arndt (c) 2011

 

Die Jungkoeniginnen der saechsischen Wespe sind zum Abflug bereit und sammeln sich im Neswtbereich - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2006

Juli  

 

Immer wieder wird Baumaterial herbeigeschafft um das ständig wachsende Nest mit der schützenden Hülle zu versehen.

Im Innenbereich wiederum wird fortlaufend die Hülle abgetragen um aus dem recycelten Baustoff neue Waben zu schaffen.

 

Zu diesem Zeitpunkt legt eine Königin der deutschen- oder gemeinen Wespe bis zu 300 Eier am Tag.

 

 

Die Nester der Langkopfwespen - Mittlere Wespe, Waldwespe, sächsische- und norwegische Wespe - allerdings befinden sich bereits mitten in der Absterbephase.

Hier fliegen jetzt die Großen Geschlechtstiere ab. Nach der Befruchtung durch die Drohnen fliegen die Königinnen noch ein bis zwei Wochen umher, um dann die lange Winterruhe anzutreten.

 

Bereits Ende Juli sind die Nester der sächsischen Wespe und der Waldwespe verlassen. Bis Ende August folgt die Mittlere- und die norwegische Wespe. Diese Wespenarten sind also im September auf keiner Kaffeetafel zu finden ...


Kurzkopfwespen an einem Apfel. Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2008

 

Deutsche- und gemeine Wespe am Fruehstueckstisch - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2009

Ab August/September fliegen nur noch die Kurzkopfwespen - deutsche- und gemeine Wespe -  und die Hornisse.

 

 

 

 

 

Jetzt beginnt die Zeit, in der sich meist zahlreiche Wespen an den Speisen und süßen Getränken des Menschen einfinden und dort recht lästig werden können.

 

Warum dies so ist ? - Schauen Sie einmal unter "Wussten Sie, dass ..."

Schlupf eines Wespendrohn - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2005

 

Portrait eines Hornissendrohn - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2011

Erst im Spätsommer, etwa ab August werden größere Zellen für die Geschlechtstiere gebaut.

Aus ihnen schlüpfen fruchtbare Weibchen und - aus unbefruchteten Eiern - die Männchen.

 

 

 

 

 

 

Nach dem Schlüpfen verbleiben die Geschlechtstiere noch einige Zeit im Nest, beteiligen sich jedoch nicht am Gemeinschaftsleben, sondern lassen sich von ihren Schwestern füttern.

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Etwa um Mitte August / Anfang September stirbt nun auch die alte Königin und Nestgründerin im Staat der gemeinen- und der deutschen Wespe

sowie im Staat der Hornissen. Die alte Königin hat nun ein Jahr gelebt und viele Gefahren hinter sich gelassen. Nach der Winterruhe im Frühjahr hatte sie den Wespenstaat gegründet und aufgebaut. Bis jetzt hat sie etwa 50.000 Eier gelegt. Nach dem Tod der Altkönigin beginnen sich allmählich die Staaten der deutschen- und der gemeinen Wespe sowie die der Hornissen aufzulösen.

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Hornissenkoeniginnen verlassen das Nest - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2009

 

Hornissenmaennchen verlaesst das Nest - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2008

 

September - Oktober 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Ausschwärmen der großen Geschlechtstiere (Junge Königinnen und Männchen/Drohnen) und der Verknappung des Nahrungsangebotes zerfällt die soziale Organisation im Staat.

Hornissenpaarung - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2009

Die Paarung geschieht teils im Nest, teils im Freien an bestimmten Paarungsplätzen, die von den Männchen aufgesucht werden.

Eine Arbeiterin entsorgt eine Larve aus dem Hornissennest - Aufnahme: Ralf Schreck (c) 2011

Die Larven werden nicht mehr gefüttert, aus den Zellen gezerrt und zum Teil gefressen.

Selbst verdeckelte Zellen werden geöffnet und die Puppen aus dem Nest geworfen.

Verlassenes nest der deutschen Wespe - Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2002 Bei den Dunkelhöhlenbrütern, mit der als Kurzkopfwespe bezeichneten gemeinen Wespe geht es im Oktober und mit der deutschen Wespe, etwas später, bis Anfang November zu Ende. Bei der Hornisse stehen die Nester ab Mitte Oktober bis Anfang November leer. 
Wespenkoenigin in Winterruhe - Aufnahme: H. Pomrenke (c) 2007

Nur die im Herbst befruchteten Weibchen überwintern.

Es sind die Königinnen, die für den Fortbestand im nächsten Sommer sorgen. 

Abgestorbene Wespenarbeiterinnen unter dem nest Aufnahme: Peter Tauchert (c) 2002

Das Heer der Arbeiterinnen aber stirbt mit sinkenden Nachttemperaturen langsam ab.

 

Damit endet der Zyklus und es schließt sich der Lebenskreislauf des Wespen- und Hornissenstaates

 

 

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