Filialbildung bei Hornissenvölkern

 

Begriffsbestimmung: Filiale (lateinisch filia für die „Tochter“)

 

Als Filialbildung bezeichnet man eine, vom Stammnest der Hornissen, örtlich getrennte und im Aufbau befindliche Nebenstelle.
Also ein Tochternest des an anderer Stelle befindlichen Hornissenstaates. Die Filialbildung ist der Beginn eines Umzugs des Hornissenvolkes, das aus Platzmangel vom Nestgründungsstandort zu einem geräumigen Neststandort "umzieht". Bis jetzt ist dies n u r bei Hornissen bekannt.

 

Hinweise auf ein Filialnest:

  • Das Hornissennest entsteht in wenigen Tagen.
    Tipp an Wespenberater und Umsiedler: Aussagen von einem, plötzlich (im Sommer) entstandenen Hornissennest ernst nehmen und sich die Sache Anschauen ...

  • Mehrere Hornissenarbeiterinnen bauen an einem kleinen Nest

  • Es befinden sich keine Larven und Puppen, verschiedener Stadien in den Waben

  • Flugverkehr oftmals in dieselbe Richtung abgehend oder kommend

 

Während der Nistplatzsuche, in der Solitären Phase, greift die Hornissenkönigin gerne auf viel zu kleine Hohlräume zurück. Hier wären z. B. Vogelnistkästen, Fledermauskästen, kleine Baumhöhlen, Mauernischen usw. zu nennen. Für eine Königin bietet solch ein kleiner Hohlraum die Möglichkeit, ihr Nest schön zu klimatisieren, als an einem großen, und kühlen Standort. 

 

Kleine Hohlräume bieten aber viel zu wenig Platz, als dass sich hierin ein gut entwickelter Hornissenstaat entfalten kann.

So kommt es öfters vor, dass es im (Spät)Sommer zur Bildung eine Hornissenfiliale oder Filialnestes kommt.

 

Ein Filialnest ist ein getrennter und kompletter Neubau eines Hornissennestes, der durch einen Teil der Arbeiterinnen eines Volkes, an einer besseren, geeigneten Stelle, meist in der Nähe, bis ein paar hundert Meter vom Ursprungsnest entfernt ist.

Wenn von einer Arbeiterin ein potentieller Neststandort gefunden wurde, bewegt diese (wie auch immer) weitere Arbeiterinnen dazu, den neuen Standort zu untersuchen. Wird er als geeignet befunden, beginnen dort, etwa eine Handvoll Arbeiterinnen, die ersten Wabenzellen zu bauen. In wenigen Tagen erscheinen am neuen Standort weitere Arbeiterinnen aus dem Stammnest. So entsteht in nur kurzer Zeit ein kleines Hornissennest.
Die Filiale ist sehr störanfällig und die Hornissen sind schnell verteidigungsbereit. 
Etwa zwei Tage nach der neuen Nestgründung erscheint auch die Königin am neuen Neststandort. Man nimmt an, dass sie in Begleitung einiger Arbeiterinnen zum Filialnest fliegt. Dort übernimmt sie sofort das Eierlegen (bestiften) in die neu gebauten Wabenzellen.

 

Im Stammnest werden nun keine Eier mehr gelegt.

Die bestehenden Larven und Puppen werden nun Parallel in beiden Hornissennestern versorgt. Mit dem Schlupf der jungen Hornissen fliegen diese nun nach und nach zum Filialnest. Gut 4 - 6 Wochen nach Gründung des Filialnestes stirbt das Ursprungsnest aus. Aus dem Filialnest ist nun das Stammnest geworden.

 


 

Dokumentation einer Hornissen-Filialbildung

 

Aufnahmen von Robert Poperl © 2016

19. Juli

Beginn der Filialbildung

 

 

 

In diesem Holz-Gartenhaus hat eine handvoll Hornissenarbeiterinnen damit begonnen, Hornissenfiliale aufzubauen.

 
 

 

 19.07.

Entdeckt - Im Gartenhaus beginnen Hornissen mit dem Bau einer kleinen Wabe.

 

 

20.07.

Heute arbeiten mehrere Hornissen an der Wabe.

Vor dem Gartenhaus befliegen sich die Hornissen, nehmen Geruchsstoffe auf und orientieren sich.

 

 

20.07.

Die Königin scheint in der Filiale angekommen zu sein.

Unten rechts kann man die "große" Hornissenkönigin erkennen.

 

 


24. Juli

 

Die zweite Etage

 

Fünf Tage nach der Filialgründung wird bereits die zweite Wabenetage angebaut.

Die erste Wabe ist extrem gewachsen. Auch hat Königin bereits die Zellen in der ersten Wabenetage bestiftet.

Die Hornissenarbeiterinnen bauen unter Hochdruck am Filialnest.

 


27. Juli

 

Acht Tage nach der Filialgründung - Die dritte Etage

 

Das Nest wächst von Tag zu Tag. Die dritte Wabenetage wurde angebaut.

Ständig kommen Arbeiterinnen mit Baumaterial angeflogen, um das neue Nest zu vergrößern.

Der halbe Hornissenstaat ist nun mit dem Ausbau der Filiale beschäftigt. Im Stammnest werden weiterhin die Larven versorgt.

 

Sämtliche Zellen im Nest sind jetzt mit Eiern belegt.

Die Königin inspiziert ständig die Waben, ob nicht wieder eine Zelle gebaut wurde, die mit einem Ei belegt werden muss.

 

Die Königin besteigt auf der linken Seite die dritte Etage

Die Königin verlässt rechts unten die dritte Etage

 


29. - 31. Juli 2016

 

Nestausbau und erste Larven

 

Der Nestbau scheint still zu stehen.

Jetzt gilt es, die Larven im neuen Hornissenest zu versorgen. Es scheint, als ob ein großer Teil der Jungtiere aus dem Stammnest in der Filiale eintreffen. Viele Hornissen haben ein blasse Farbe, die bei Jungtieren zu beobachten ist.

Man kann Larven in der ersten und zweiten Wabenetage entdecken.

 

29.07.16

29.07.16

30.07.16

31.07.16

31.07.16

Mittlerweile erscheinen die ersten Larven in den Wabenzellen. Gut versorgt von den Hornissenarbeiterinnen werden sie sich bald verpuppen.

 

 

 

Die Waben werden jetzt in die Breite gebaut und oben beginnen die Arbeiterinnen damit, die Nesthülle aufzubauen.

 


August


02. - 04. August 2016

 

14 Tage nach der Filialgründung - Beginn der vierten Wabenetage

 


02.08.16

02.08.16 - 05:48 Uhr -

Wenige Hornissen befinden sich im Filialnest. Die Hornissenkönigin zeigt sich schön in der Mitte der 3. Wabenetage.

Zwischen der Königin und der Arbeiterin kann man den Ansatz der vierten Wabe erkennen.

03.08.16

 

03.08.16 - 05:51 Uhr -

Seit gestern wurde die Nesthülle etwas erweitert. Auch hat die 4. Wabe jetzt zwei Zellen. Am frühen Morgen befinden sich wenige Hornissen im Filialnest.

 

 

 

 

03.08.16 - 16:10 Uhr -

Nachmittags ist im Nest mehr Betrieb. Massiv wird an der Nesthülle gebaut und die Larven versorgt. Auf der 3. Wabenetage werden die Larven und Eier bebrütet und gewärmt. 


03.08.16


04.08.16

Seit gestern ist die dritte Wabenetage wieder um einige Zellen gewachsen.

 

Wenn man bedenkt, dass dieses Filialnest vor genau 16 Tagen gegründet wurde, so muss man zugeben, dass hier eine wahre Herkulesarbeit geleistet wurde. Es gab fast keinen Stillstand im Anlegen der Brut. Einen Tag  nach der Filialgründung befand sich bereits die Königin am neuen Neststandort und bestiftete die neuen Wabenzellen. Heute befinden sich gut genährte Larven in den Zellen, wovon sich die Ersten in den nächsten Tagen verpuppen werden und in weiteren 14 Tagen als Arbeiterinnen zur Verfügung stehen.

 

 


 

Aufnahmen: Robert Poperl © 2016

 


 

Weitere Aufnahmen von Hornissen-Filialgründungen:

 

http://www.aktion-wespenschutz.de/Wussten Sie/Filialbildung/Filialbildung/Umzug.htm

 

http://www.aktion-wespenschutz.de/Umsiedlung/2007/2007/FilialeUmsiedel.htm

 

 

 

 

 

 

   
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