Unterschied zwischen Umsiedlung und Umquartierung:

Der Unterschied zwischen Umquartierung und Umsiedlung  liegt darin, dass bei einer Umquartierung das Wespen- oder Hornissennest am Nestgründungsstandort verbleibt, oder zumindest in unmittelbarer Nähe. Hier wird das Nest von der Stelle entnommen, wo es beim weiteren Verbleiben gefährdet wäre, oder es zu Konfrontationen mit den Betroffenen käme. Mit dem Einverständnis des Betroffenen oder auf dessen Wunsch kann zwar das Wespen- oder Hornissennest im ursprünglichen Lebensraum verbleiben, allerdings an einer anderen Stelle im Garten oder am Gebäude. 

Umquartiertes Hornissennest

Hat sich eine Hornissekönigin z.B. in einem Vogelnistkasten angesiedelt, ist es nicht erforderlich, das Nest für eine Umsiedlung oder Umquartierung aus dem engen Nistkasten zu schälen. Um Beschädigungen am Nest zu vermeiden, ist es zweckmäßiger, die Frontklappe des Vogelnistkastens zu entfernen und diesen in einen größeren Hornissennistkasten einzuhängen. Die Hornissen können auf diese Weise problemlos an ihrem Nest weiterbauen und große Völker entwickeln.

Bei einer Umquartierung sollte der neue Standort nicht mehr als 5-10 Meter vom Altstandort entfernt sein. Dies hat den Grund, dass heimkehrende Flugtiere in diesem Suchradius ihr Nest finden. Sollte aus irgendwelchen Gründen das Nest noch weiter umquartiert werden, so kann man die Umquartierung nach einigen Tagen in weiteren 5 Meter Schritten fortführen. 

 


 

Vorteil einer Umquartierung: 

Hierdurch spart man sich einen wertvollen Standort, der evtl. für eine Umsiedlung benötigt wird.

Die Wespen oder Hornissen verbleiben im gewohnten Lebensraum und werden nicht auf Umsiedlungsgrundstücken "gesammelt". 

Jeder Umsiedler sollte somit mehrere Umsiedlungsstandorte zur Verfügung haben. Nach Anfragen bei Umwelt- und Forstämtern werden gerne verschiedene Plätze für umgesiedelte Wespen- und Hornissennester zugewiesen.

Schlauchwagen

Beim Abrollen des Gartenschlauches entdeckte Herr M. dieses Wespennest in seinem Schlauchwagen. Nach einer Beratung vor Ort konnte das Nest incl. Schlauchwagen im Garten verbleiben. Der Nestbau wurde mit dem Wagen in eine ungenutzte Ecke des Gartens umquartiert. Im Verlauf der Saison entstanden keinerlei Probleme mit den Wespen. 

Bei dieser Umquartierung konnte ohne jeglichen Materialeinsatz das Wespennest zwar am Nestgründungsstandort (Schlauchwagen und Garten) verbleiben, jedoch wurde dieser mitsamt dem Nestbau einige Meter weiter verlegt. Das Nest befand sich nun außerhalb des unmittelbaren Aufenthaltsbereichs von Herrn M.

 


Umsiedlung:

Hornissenkönigin Nektartrinkend

Bei einer Umsiedlung wird der gesamte Nestbau des Wespen- oder Hornissenvolkes in einen Umsiedlungsnistkasten eingebaut. Der neue Lebensraum sollte mindestens zwei Kilometer vom alten Nistplatz entfernt sein, da die Tiere sonst an den ursprünglichen Standort zurückfliegen können. Als neues Biotop eignen sich Waldlichtungen, Waldränder, Streuobstwiesen oder genügend große Gärten mit entsprechender Vegetation. Gerade Gartenbesitzer und Forstwirte wissen um die Nützlichkeit von Hornissen und Wespen. Erbeuten doch die Hornissen eine große Anzahl von Beuteinsekten, die dem Menschen lästig werden können, oder im Wald zu Forstschäden führen. Sie dienen somit als natürlicher Regulator bei der Vermehrung von Schadinsekten. Um Konfrontationen mit Spaziergängern, Joggern und Wanderern zu vermeiden, sollte der neue Standort nicht direkt an Wegen gewählt werden. Auch sollten Umgesiedelte Nester nicht auf Anhieb zu entdecken sein, denn die Zerstörungswut einiger Leute kennt auch im Naturschutz keine Grenzen. 

 


Ziel einer Umsiedlung:

Nest Saisonende Ende Sept.

Das Ziel einer jeden Umsiedlung von Wespen- oder Hornissennestern sollte das Überleben des umgesiedelten Nestes am neuen Standort sein. Um die Lebensfähigkeit des Wespenvolkes nach einer Umsiedlung gewährleisten, ist es absolut notwendig, das Nest mit den Wabenetagen und möglichst vielen Arbeiterinnen umzusiedeln. Fehlen die Flugtiere, ist eine Versorgung der Brut und des Nestes ist nicht mehr gegeben. Das Volk stirbt ab. Schäden, die bei der Umsiedlung an der Nesthülle und im Wabenbereich entstehen, werden durch die Wespen innerhalb kürzester Zeit repariert.

 


 

Umsiedlungszeiten:

 

Unter  Ausrüstung »» Tipps und Tricks aus der Praxis »» Umsiedlungszeiten werden Vorschläge und Tipps zu geeigneten

 

- Umsiedlungszeitpunkten (Tag / Nacht) und

- optimale Umsiedlungszeitfenster (Monat)

zu einzelnen Wespenarten beschrieben sowie Vor- und Nachteile erläutert.

 

 


Anmerkung:


 

Fragwürdige Umsiedlungsmethoden, wie das Entfernen eines Wespennestes in einem Plastiksack und diesen an einen Baum zu hängen, sind äußerst umstritten. Das "umgesiedelte" Nest ist unter diesem Umstand überhaupt nicht lebensfähig. Wer einen solchen Aufwand betreibt und dies als "Umsiedlung" bezeichnet, betrügt sich selbst.

 

Ein derartiges Vorgehen ist lediglich eine insektizidfreie Bekämpfung, die mit Umsiedlung und Schutz nichts zu tun hat. 

 

 


Einfangen der Flugtiere

Umsiedlungsausruestung nach Robert Ripberger (c) R. Ripberger 2003

In der Literatur und in der Praxis wird das Einfangen der Flugtiere mit einem Kescher empfohlen und angewendet. Bei Hornissen ist diese Methode, aufgrund ihrer Körpergröße, auch anwendbar. Allerdings ist bei Großnestern der deutschen- und gemeinen Wespe das Einfangen einzelner Flugtiere sehr aufwendig und zeitraubend. 

Sauganlage

Günstiger ist hier eine Umsiedlungstechnik, die durch Einsaugen von Wespen und Hornissen in der Praxis verbreitet Anwendung findet. Wenn man hierbei einige Dinge beachtet, gestalten sich Umsiedlungen mit der Ansaugmethode als völlig problemlos. Um Verletzungen der Tiere zu vermeiden, ist das Wichtigste, dass der Luftstrom, mit dem die Tiere eingesaugt werden, nicht zu stark ist. Der Sauger muss in seiner Leistung regulierbar sein. Er wird so eingestellt, dass die Flugtiere gerade noch eingesaugt werden. Auch müssen die Saugschläuche innen glattwandig sein. Ein normaler Staubsaugerschlauch ist innen rau. Beim Saugvorgang würden die Tiere durch ihn verletzt oder gar getötet.

 

Arbeitsablauf beim Umsiedeln

 

Umsiedlungsausrüstung Pappkarton

Das Bereitlegen aller Ausrüstungsgegenstände vor Ort ist der erste Schritt bei einer Umsiedlungsaktion. Nach dem Anschließen der Sauganlage wird ein Saugschlauch ca. 3 - 5 cm unter die Einflugöffnung des Wespen- oder Hornissennestes gehängt. Nun wird absichtlich ein Alarm im Wespennest ausgelöst. Bei einem Nest im Rollladen z.B., wird durch Schlagen von innen auf den Rollladenkasten, ein Abflug der Verteidigungstiere veranlasst. Durch den Flug nach draußen werden diese Tiere "automatisch" vom Luftstrom erfasst und landen in der Fangbox vom Umsiedlungskasten. Zum Nest heimkehrende Wespen werden ebenso vor dem Einflug ins Nest abgefangen. Sie kommen im Schnitt ca. alle 30 - 40 Minuten mit einem erbeutetem Insekt oder Baumaterial zum Nest

zurück. So werden im Laufe einer guten Stunde der größte Teil der Arbeiterinnen abgefangen. In der Dämmerung oder gar in der Nacht kehrt ein Teil der Wespen nicht zum Nest zurück. Die Flugtiere der Wespen sind nicht nachtaktiv. Sie verbringen während des Außenfluges, die Nacht an geschützten Stellen im Freien und kehren erst bei Tagesanbruch zum Nest zurück. Folglich würden bei einer Umsiedlung, während der Abend- und Nachtstunden, ein Teil wertvoller Arbeiterinnen verloren gehen.

 

Gemeine Wespe in Rollladen

Nachdem die ersten Tiere von außen abgefangen wurden und somit die Verteidigungsbereitschaft des Nestes minimiert ist, kann man den Hohlraum öffnen, indem sich das eigentliche Nest befindet. Königin, Jungtiere und einige Arbeiterinnen bleiben in der Regel auf dem Nest sitzen. Mit dem zweiten Saugschlauch werden herumlaufende Wespen abgefangen ohne den ersten Schlauch für die heimkehrenden Tiere zu entfernen. Jetzt wird das Nest entnommen und in die Umsiedlungskiste eingebaut. Wespen und Hornissen bauen ihr Nest immer von oben nach unten. Daher wird das Nest an der Decke der Umsiedlungskiste mit Heißkleber aus der Heißklebepistole befestigt. Größere Nester und dessen Waben können durch Holzspieße als Querstreben zusätzlich fixiert

 werden. Bei der gezeigten Pappkarton-Umsiedlungskiste kann man die Holzspieße von außen quer durch den Karton stechen, die den Waben zusätzlich einen geeigneten Halt zu geben. Während der Umsiedlung und dem Transport steht die Kiste auf dem Kopf. Dies ist sinnvoll, da sich durch Transporterschütterungen evtl. Waben lösen könnten.

 

Nest in Umsiedlungskarton

Wenn sich das Nest in der Umsiedlungskiste befindet, wird diese verschlossen. Die Sauganlage arbeitet nach wie vor weiter um immer wieder heimkehrende Wespen einzufangen. Nach insgesamt einer guten Stunde sind die meisten Arbeiterinnen eingefangen und man kann die Umsiedlung am Altstandort beenden.

Die Saugschläuche werden aus den Rohrstücken genommen. Um ein Flüchten der eingefangenen Wespen zu verhindern, saugt während des Entnehmens der Saugschläuche die Anlage immer noch. Nachdem die Ansaugrohre mit einem Holzpfropf verschlossen sind, kann die Anlage ausgeschaltet werden. Die Rohrstücke bleiben für den Transport in der Fangbox stecken. Durch das gelochte Ansaugrohr ist die Luftzufuhr für die gefangenen Flugtiere während des Transports gesichert. 

An einem Baumbefestigt

Am neuen Standort wird die Umsiedlungskiste vorsichtig umgedreht, sodass die Waben im Kasten wieder nach unten zeigen. Zum Aufhängen besteht die Möglichkeit, den Umsiedlungskasten mit Klebeband an einem Baum zu befestigen. Der Pappkarton ist zwar außen imprägniert, kann sich aber bei direkter Beregnung voll saugen. Um Feuchtigkeit zu vermeiden, kann man entweder eine Plastiktüte über das Kastendach ziehen, das Dach mit Klebeband versiegeln, oder man kann die Kiste in einem trockenen Unterstand sichern. 

 


Umsiedeln einer einzelnen Königin

 

Gem. Wespenkoenigin auf Nest vor Umsiedlung

Umgesiedelte Anfangswabe mit Koenigin

Generell kann auch eine einzelne Königin nach der Koloniegründung umgesiedelt werden. Man sollte aber versuchen, den Betroffenen dahingehend zu bewegen, noch so lange zu warten, bis die Königin nicht mehr von selbst ausfliegt. Dies ist der Fall, wenn ca. 5 - 10 Arbeiterinnen geschlüpft sind. Wenn man zu Bedenken gibt, dass von der  Nestgründung bis zum Entdecken der einfliegenden Königin mitunter 2 - 3 Wochen vergangen sind, kann man einen Betroffenen bis zur Umsiedlung noch ein bis zwei Wochen beruhigen. Danach steht einer erfolgreichen Umsiedlung nichts mehr im Wege. Wichtig ist, dass gerade bei Anfangsnestern in denen die Königin noch alleine ist, der Wabenstiel in voller Länge übernommen werden muss. Die Königin schmiegt sich an den Stiel um ihre Brut zu wärmen. 

Praxis-Dokumentation

 


 

Praktische Ausbildung in Wespen- und Hornissenumsiedlung

Wenn  jemand von Euch Interesse daran hat, einmal an einer Umsiedlung  teilzunehmen, mit mir zusammen eine Umsiedlung vornehmen möchte,

vielleicht sogar selbst einmal komplett ein Nest unter Anleitung umsiedeln möchte, ich würde mich über Interessierte freuen.

 

webmaster@aktion-wespenschutz.de

 

Mein Umsiedlungsbereich ist der Kreis Offenbach / Hessen.

 


Formular:

 Haftungsausschlusserklärung  für Umsiedler. Als PDF Datei (59,3 KB) zum herunterladen

 


 

 

 

 

 
   
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