... wenn jemand eine Reise macht ...

 

Naturerlebnisse in Costa Rica - von Silke Scheller und Stefan Wirrer

 

 

 

 

Auf der Suche nach Wespen und einer Wespentaille in Costa Rica

 

Endlich Urlaub und noch dazu ein ganz besonderer!

Wir starteten Anfang April 2013 mit dem Flugzeug nach Costa Rica. Mit im Gepäck war natürlich die Foto-Ausrüstung. Schließlich wollten wir neben Menschen und Landschaft viele Tiere fotografieren. Auch Wespen standen auf unserer "Fotomotivliste" ganz oben.

Und ich hatte noch anderes vor: Die vielen geplanten Naturwanderungen sollten für einen Abbau des Winterspecks sorgen und mich dem Ziel einer Wespentaille etwas näher bringen ...

Costa Rica hat große Landesteile unter Naturschutz gestellt.
Es gibt dort eine bemerkenswerte Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren. Darunter sollte es sicher auch viele Wespenarten geben!
Die Aussicht auf schwarz-gelb gestreifte Fotoobjekte war also sehr gut. So glaubten wir jedenfalls ...

 

In Costa Rica angekommen blieben wir zunächst einige Tage bei unseren costaricanischen Freunden. Sie wohnen im "valle central", der zentralen Hochebene mit einem ausgeglichenen, gut verträglichen Klima. Dort ist auch die Besiedlungsdichte am höchsten. Aber zwischen den Häusern und am Rand der Städte blühte und grünte es überall und dass, obwohl schon sehr lange Trockenzeit war. Warmes trockenes Wetter und viele grüne und blühende Pflanzen sowie leckere reife Früchte – also ideale Lebensbedingungen für Wespen -.

 

Trotz allem machten wir in den ersten Tagen mit nur wenigen Insektenarten Bekanntschaft, darunter vor allem Mücken, Mücken und nochmals Mücken. Bis auf wenige Kakerlaken und einige Käfer, Spinnen und Schmetterlinge schien die Insektenwelt Costa Ricas nur aus Mücken zu bestehen. Die einzigen "Flugtiere", die sich am Nektar der zahlreichen Blüten labten, waren kunterbunte Kolibris und Schmetterlinge.

 

Es sollten noch einige Urlaubstage ins Land gehen, bis wir unsere erste Wespenbegegnung hatten.

Im Arenal Volcano National Park sind die Wege gesäumt vom dichten Grün der Regenwaldvegetation. Aber nicht auf den extravaganten Blüten der Regenwaldpflanzen entdeckten wir die Wespen, sondern mitten auf einem staubigen Weg, über den täglich viele hunderte Menschenfüße wandern. Zunächst hielten wir die Wespen für dicke Fliegen. Von der Form her sahen sie zumindest so aus - nichts mit schlanker Wespentaille! Aber was mit dem bloßen Auge oft nicht erkennbar ist, schafft die Technik. Auf dem Display erschienen in der Vergrößerung hübsch gezeichnete und sehr fleißige Wespen. Mitten auf einem für sie lebensgefährlichen Weg gingen diese Wespen eifrig der Tätigkeit nach, die für sie namensgebend war: ... sie gruben...

 

Noch am selben Tag und im selben Nationalpark entdeckten wir weitere Wespen.
Auch diese nutzen nicht die schöne Vegetation für ihren Nestbau, sondern siedelten an einer ebenso unwirtlichen, wenn auch nicht ganz so gefährlichen Stelle: an der Decke des Toilettenhäuschens, am Ausgang des Nationalparks. Na ja, vielleicht ist ja der Geruchssinn der costaricanischen Wespen nicht so gut ausgeprägt wie der unserer deutschen- und gemeinen Wespen. Denn die riechen im Herbst den leckeren Pflaumenkuchen schon auf etliche Meter Entfernung ...

 

Während sich die von uns gefundenen Wespen im Nationalpark Arenal auf den Nestbau auf viel begangenen Wegen und an geruchsintensiven Gebäuden beschränkten, wurde die bunte und interessante Pflanzenwelt des Regenwaldes von einer anderen Insektenart offensichtlich mehr geschätzt.

 

Nach nun schon 2 Wespenbegegnungen, glaubten wir unseren Blick ausreichend für costaricanische Wespen geschult zu haben...

 

Als wir einen Tag später auf dem Blatt eines Strauches ein schwarz-gelb-gestreiftes Durcheinander erblickten, konnten das einfach nur Wespen sein!
Also Kamera raus und hingestürmt! Die Überraschung war groß, als wir statt vor Wespen nun vor einer Heuschreckenkinderstube standen.

 

Die schwarz-gelben Wespenfarben waren also nur Tarnung.

Und wir, die darauf reingefallen sind, waren das beste Beispiel für das Funktionieren dieser Mimikry!

 

Dass diese gestreiften Heuschrecken nicht sofort die Flucht ergriffen, als die Fotosession über sie erging, hatten wir wahrscheinlich nur den noch nicht ausgebildeten Flügeln zu verdanken...

 

An den Tagen danach fanden wir in der Natur viele weitere schöne Fotomotive und unsere Speicherkarten füllten sich langsam.

Im Nationalpark Santa Elena hatten wir sogar das große Glück den sagenumwobenen Quetzal zu sehen!
Was uns dagegen nicht vor die Linse kam, waren Wespen. Sie waren im Regenwald genauso unsichtbar wie die vielen anderen Tiere, die für die Geräuschkulisse sorgten.

 

Aber warum in die Ferne schweifen – das Gute ist doch oft so nah!

Nach einem Tag im Regenwald wieder im Hotel angekommen, entdeckten wir auf unserem nicht unbedingt einladenden Balkon Wespen beim Bau eines Nestes. Mal wieder an einem recht hässlichen Ort! Vielleicht waren es ja diesmal besonders günstige Konditionen für die Hotelunterkunft, die die Wespen hier zum Nestbau verleitet hatten ...

 

Wir fragten uns allmählich:

Wo haben solche Wespen eigentlich gebaut, bevor es Toilettengebäude, ungemütliche Hotels oder viel begangene Wege gab ???

 

Nun, wenn es costaricanische Wespen nicht nötig haben, sich an schönen, naturnahen Orten fotografieren zu lassen, dann konzentrieren wir uns eben auf andere Motive! Zum Beispiel auf Vogelnester ...

Bei genauerer Betrachtung eines dieser Vogelnester, auf dem Display des Fotoapparates wurden auf einmal die Bewohner des Nestes sichtbar und die sahen gar nicht wie Vögel aus, auch wenn durch die Öffnung des Nestes locker ein kleiner Vogel gepasst hätte ...

 

 

Die ersten Wespen im Regenwald!

Es gab also doch ein paar Naturliebhaber unter ihnen! Das machte uns wieder Hoffnung.

 

Unsere Rundreise durch das Land führte uns weiter an die Pazifikküste.

Auf der mehrstündigen Fahrt im überfüllten Bus fielen uns seltsame Gebilde an den Bäumen auf, die häufiger wurden, je mehr wir uns der Küste näherten. Waren es Wespennester? Nein, es waren Termitenbehausungen. Aber es gab auch einige wenige Bäume, die nicht von Termiten, sondern doch von Wespen bewohnt waren. Ein solcher Baum stand am Rande des Carrera-Nationalparks. Allerdings war das Wespennest so hoch gebaut, dass eine genauere Betrachtung unmöglich war. Die Stacheln des Mimosen-Baumes, an den es geheftet war, schützten es sicher vor unerwünschten Zugriffen, z.B. vor "Wespen-Paparazzi" ...

 

 

Wir wohnten in einem schönen Hotel direkt an der Pazifikküste.
Die umgebenden Häuser hatten, wie in Costa Rica üblich, Blechdächer und über den Blechdächern bildeten große Mangobäume einen grünen Sonnenschutz.
Die Mangos waren gerade reif und donnerten, dank ihres Gewichts und dem Newtonschen Gravitationsgesetz, mit lautem Schlag auf die weit darunter liegenden Blechdächer. Und das, so schien es uns jedenfalls, vor allem in der Nacht ...

 

Der Boden war jeden Morgen übersät mit zuckersüßen Mangos.

An den reifen Früchten labten sich nicht nur rote Aras und Touristen sondern auch Wespen. Na ja, eine wenigstens ... Mehr sahen wir nicht, weil jeden Morgen alle Mangos einfach zur Seite gekehrt und entsorgt wurden.

 

 

Also endlich mal eine Wespe nach unseren Vorstellungen! Mit derselben Vorliebe für reife süße Früchte, wie wir sie auch haben! Offensichtlich sind die Wespen an der sonnenverwöhnten Pazifikküste einfach anspruchsvoller.

Diese Vermutung "bestätigte" sich noch am selben Tag durch den Fund eines Wespennestes an einem Ort mit reichlich süßen Leckerbissen:

Zwischen meterhohen Bananenpflanzen mit reifen Früchten war es an ein großes Bananenblatt geheftet. Auch diesmal war das Nest wieder sehr hoch angebracht, zu hoch selbst für groß gewachsene Mitteleuropäer. Diese standen mit gierigen Blicken unten und kamen weder an das Nest noch an die Bananen.

 

 

Ende gut - alles gut.

 

Zurück im Valle Central wurden wir, fast zum Schluss unseres Urlaubes, schließlich mit dem Anblick eines Wespennestes belohnt, das alles zu bieten hatte, was unser Herz begehrte: Das Nest war inmitten von Natur auf einer Wiese, es barg reichlich Bewohner(innen) und es war in fotografierbarer Höhe, nämlich direkt auf dem Boden an einem Ästchen gebaut. Und es waren Wespen mit einer beneidenswerten Figur! Und nicht nur das. Diese Feldwespenart ließ außerdem die Fotoaufnahmen äußerst friedlich und gelassen über sich ergehen.

 

Damit endet meine Wespengeschichte. Und auch unser Urlaub endete leider!

Eines haben wir in Costa Rica jedoch gelernt: Häufig trügt der Schein!
Fliegen entpuppten sich als Wespen, Wespen dagegen als Heuschrecken und Vogel- als Wespennester...

Übrigens erfüllte sich meine Hoffnung auf eine Wespentaille nicht!
Die doch sehr fettigen und süßen Speisen sowie die Gastfreundschaft in Costa Rica bewirkten genau das Gegenteil.
Ja, so ist das Leben! - ¡Así es la vida!


Silke Scheller, Januar 2014

Fotoaufnahmen:
Silke Scheller und Stefan Wirrer, April-Mai 2013

 


 

Silke Scheller und Stefan Wirrer © 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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